Seit Anfang Oktober 2006 hat das SOFI ein neues Direktorium: Prof. Dr. Volker Wittke, seit 1996 Mitglied des Direktoriums, übernimmt die Position des geschäftsführenden Direktors, Prof. Dr. Heike Solga und PD Dr. Jürgen Kädtler sind neue Mitglieder der Geschäftsführung.

 

Prof. Dr. Martin Baethge, seit 1975 Mitglied des Direktorium und seit 1996 in der Position des geschäftsführenden Direktors, scheidet aus der operativen Institutsleitung aus. Gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Schumann bildet er das neue Präsidium des SOFI. Über ihre Funktion als Präsidenten hinaus werden sich Martin Baethge und Michael Schumann auch zukünftig mit eigenen Forschungsprojekten an der Institutsarbeit beteiligen.

 

Die personellen Veränderungen im Direktorium bedeuten den Generationswechsel für das SOFI: Erstmals sind die Institutsgründer in der operativen Institutsleitung nicht mehr vertreten. In seiner Zusammensetzung steht das neue Direktorium für einen Mix aus Kontinuität und Neuausrichtung. Mit Jürgen Kädtler tritt neben Volker Wittke ein weiterer langjähriger SOFI-Mitarbeiter in die Institutsleitung ein. Mit Heike Solga wurde eine renommierte Wissenschaftlerin von außen gewonnen, deren Forschungsprofil zahlreiche Berührungspunkte mit der bisherigen SOFI-Forschung aufweist, die zugleich aber auch neue Schwerpunkte und Forschungsperspektiven einbringt. Schließlich stehen Heike Solga und Volker Wittke, beide seit 2005 ProfessorInnen am Institut für Soziologie der Georg-August-Universität, für eine Fortsetzung der bisherigen engen Verbindung zwischen SOFI und Göttinger Universität.

 

Der Generationswechsel in der Institutsleitung wird von einer inhaltlich-programmatischen Neubestimmung der Institutsarbeit flankiert. Im Frühjahr 2006 hat das SOFI in intensiver und breit geführter institutsinterner Diskussion ein neues Forschungsprogramm erarbeitet, das an bisherige Forschungsfelder und –linien anknüpft, zugleich aber neue Akzente setzt. Grundlegende Prämisse bisheriger wie zukünftiger SOFI-Forschung ist dabei, dass entwickelte Gesellschaften – wie Deutschland – Erwerbsarbeitsgesellschaften sind, d.h. dass Erwerbsarbeit die Lebenschancen und Entwicklungsmöglichkeiten von Einzelnen und gesellschaftlichen Gruppen prägt. Allerdings haben sich gesellschaftliche Problemlagen wie auch die sozialwissenschaftliche Diskussion in den letzten Jahren verändert. Das neue Forschungsprogramm trägt diesen Veränderungen durch eine Ausrichtung auf drei Forschungsperspektiven Rechnung: „Arbeit im Wandel“, „Wandel von Produktions- und Innovationsmodellen“ und „Sozialmodell: Arbeit – Bildung – Lebensweise im Umbruch“. Das neue Programm zielt dabei auf einen engen Bezug der drei Forschungsperspektiven.

 

Unter der Überschrift „Arbeit im Wandel“ wird einer der Schwerpunkte der SOFI-Forschung auch in Zukunft in der empirischen Analyse von Erwerbsarbeit liegen. In dieser Perspektive geht es um die Erforschung der vielfältigen Arbeitsformen und deren Veränderung; der Handlungsmöglichkeiten und Verhaltenszumutungen, die sich für die Arbeitenden mit Veränderungen von Erwerbsarbeit verbinden; der Interessenorientierungen und den sich daraus ergebenden Konfliktpotentialen; sowie schließlich der Voraussetzungen und Formen individuellen und kollektiven Interessenhandelns. Besondere Beachtung finden sollen hierbei Veränderungen von Tätigkeitsprofilen und Arbeitsanforderungen im Zuge des Wandels von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, die gesellschaftliche Regulierung und arbeitspolitische Gestaltung von Arbeit sowie veränderte Deutungen von und Ansprüche an Arbeit.

 

Diese Perspektive auf Arbeit und arbeitende Subjekte wird mit der Untersuchung von organisatorischen und institutionellen Voraussetzungen von Arbeit und Wertschöpfung verbunden. Mit ihrer Orientierung auf den „Wandel von Produktions- und Innovationsmodellen“ interessiert sich die SOFI-Forschung für die Veränderung organisatorischer Konfigurationen, in denen sich Produktions- und andere Wertschöpfungsprozesse vollziehen. Untersucht wird der Einfluss institutioneller Bedingungen wie strategischen Handelns auf diese Konfigurationen. Die Forschung zielt dabei auch auf Erklärungen für den Wandel von Produktions- und Innovationsmodellen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei Veränderungsimpulsen geschenkt, die von der Globalisierung wirtschaftlichen Handelns wie von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ausgehen.

 

Mit der Forschungsperspektive „Sozialmodell: Arbeit – Bildung – Lebensweise im Umbruch“ trägt das neue Programm schließlich der Tatsache Rechnung, dass sich die Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten von Menschen in Erwerbsarbeitsgesellschaften in Zukunft noch weniger als zu Zeiten der Institutsgründung allein mit dem Blick auf Erwerbsarbeit und ihre Strukturen begreifen lassen. Im Kontext gesellschaftlicher Umbruchprozesse stehen hierbei Prozesse und Mechanismen im Mittelpunkt der Forschung, die für gelingende oder misslingende gesellschaftliche Integration sowie die Gewährleistung oder Auflösung des gesellschaftlichen Zusammenhalts verantwortlich zeichnen. Schwerpunktprojekte sind hier die konsortiale Mitarbeit des SOFI in der Nationalen Bildungsberichterstattung sowie das auf Dauer angelegte System der sozioökonomischen Berichterstattung (SOEB), das unter Federführung des SOFI in Zusammenarbeit mit anderen Forschungseinrichtungen realisiert wird.

 

Mit diesem Programm wird SOFI-Forschung auch zukünftig auf die Beantwortung gesellschaftlich relevanter Fragen ausgerichtet sein. Damit bleibt das Institut mit neuem Direktorium und neuem Forschungsprogramm dem Anspruch der Gründergeneration treu, „mit praxisnaher Grundlagenforschung gesellschaftliche Veränderungen frühzeitig transparent zu machen und sie rationa­ler Diskussion und Steuerung zu erschließen. Dieses Erkenntnisinteresse ordnet die In­stitutsarbeit einer Sozialforschung zu, die einen gesellschaftlichen Bedarf an Analyse und Aufklärung wahrnimmt und darüber am Diskurs über langfristige Reformziele mitwirkt.“

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