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Göttingen, den 16.01.2017

2015 war eines der streikintensivsten Jahre seit Langem. Das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) wird mit Gewerkschaftern und Journalisten darüber diskutieren, ob eine ‚Streikrepublik Deutschland‘ entsteht und wie dies mit Entwicklungen von Kapitalismus und Postdemokratie zusammenhängt. Werden wir in Deutschland künftig mehr Arbeitskämpfe erleben? Worin liegen die Ursachen dieser möglichen Entwicklung? Welche Herausforderungen und Chancen bietet dies für unsere Demokratie? Diskutieren werden Johannes Schulten (Journalistenbüro Work in Progress), Patrick von Brandt (ver.di), Violetta Bock (Solidaritätskreis Amazon), Dr. Thomas Goes (SOFI Göttingen) und Prof. Dr. Nicole Mayer-Ahuja (SOFI/Universität Göttingen).

Deutschland gilt als Land, in dem wenig gestreikt wird. In jüngster Zeit hat sich das scheinbar verändert. 2015 überrollte eine Streikwelle die Republik; so wurde es zumindest in der Presse und Politik diskutiert. Dazu trugen spektakuläre Auseinandersetzungen bei: Der lange Arbeitskampf bei der Deutschen Bahn z. B. erhitzte nicht nur die Gemüter. Die seit Jahren immer wieder hart verlaufenden Auseinandersetzungen führten auch dazu, dass die Bundesrepublik in die Tarifverfassung eingriff, indem sie ein sogenanntes Tarifeinheitsgesetzt erlassen hat. Aber nicht nur Lokomotivführer demonstrierten ihre Macht. Beschäftigte in Kindertagesstätten sorgten 2015 ebenso mit einer innovativen und entschlossenen Kampagne für Aufsehen.

Darüber hinaus wächst die Zahl betrieblicher Arbeitskämpfe, d.h. Arbeitsniederlegungen, die nur in einem einzelnen Betrieb stattfinden. Diese ‚Häuserkämpfe‘ sind innerhalb des Systems der deutschen Arbeitsbeziehungen zumindest in ihrer zunehmenden Häufigkeit ein Novum. Vor diesem Hintergrund wird auf der 3. Nacht des Wissens am 21. Januar 2017 in Göttingen über die Ursachen und Folgen dieser Entwicklungen diskutiert.

Soziologen wie Jürgen Kädtler (SOFI) und Klaus Dörre (Universität Jena) sehen einen engen Zusammenhang mit der Entwicklung des deutschen Kapitalismus. Einzelne fragen gar, ob wir uns auf dem Weg in eine ‚Streikrepublik Deutschland‘ befinden. „Einer der Gründe für die wachsende Zahl von Arbeitskämpfen findet sich sicherlich im Streben vieler Unternehmen nach einer Art ‚marktkonformer‘ Interessenvertretung“, so Thomas Goes vom SOFI. „Bei einer beträchtlichen Zahl von Unternehmen können wir beobachten, dass sie Beschäftigteninteressen nur dann anerkennen wollen, wenn diese zu den eigenen Renditezielen passen oder die eigene unternehmerische Beinfreiheit nicht einschränken. Die Folge ist, dass Konflikte häufiger in Arbeitskämpfen münden.“

Beginnen wird die Podiumsdiskussion mit einem Austausch zwischen den eingeladenen Expertinnen und Experten, der anschließend in ein offenes Gespräch mit dem Publikum übergehen soll. Die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Kooperationsstelle Hochschulen und Gewerkschaften der Universität Göttingen wird von 19.00-21.00 Uhr im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 5, Hörsaal 005 stattfinden.

 

Kontakt:

Dr. Thomas Goes

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e. V.

Friedländer Weg 31

37085 Göttingen

Tel.+49 (0) 551-52205-42

E-Mail: thomas-eilt.goes[at]sofi.uni-goettingen.de

 

Dr. Jennifer Villarama

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e. V.

Friedländer Weg 31

37085 Göttingen

Tel. +49 (0) 551-52205-19

E-Mail: kommunikation[at]sofi.uni-goettingen.de

 

www.sofi-goettingen.de