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Dr. Andrea Hense, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI), wurde auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Bamberg mit dem DGS-Dissertationspreis ausgezeichnet.

Andrea Hense (Mitte) erhält Dissertationspreis auf dem 38. DGS-Kongress in Bamberg. Foto: Thomas Beyerlein

Göttinger Soziologin Dr. Andrea Hense erhält den DGS-Dissertationspreis für ihre Erklärung subjektiver Prekaritätswahrnehmungen

Göttingen, 07.10.2016

Dr. Andrea Hense, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI), wurde auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) in Bamberg mit dem DGS-Dissertationspreis ausgezeichnet. Sie erhält die Auszeichnung für ihre Monographie „Wahrnehmung der eigenen Prekarität. Grundlagen einer Theorie zur sozialen Erklärung von Ungleichheitswahrnehmungen", die im Rahmen des vom SOFI koordinierten Verbundprojekts „Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland“ (soeb) sowie des Sonderforschungsbereichs (SFB 882) „Von Heterogenitäten zu Ungleichheiten“ an der Universität Bielefeld entstanden ist.

Wachsende Teile der Bevölkerung sorgen sich um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes und ihr Einkommen. Doch warum nehmen sich Personen als mehr oder weniger prekär wahr? Frau Dr. Hense entwickelt in ihrer Arbeit ein soziales Erklärungsmodell subjektiver Ungleichheitswahrnehmungen, das mit den statistischen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) überprüft wird. An der gegenwärtigen Ungleichheitsforschung kritisiert Frau Hense: „…das Auseinanderdriften von Theorieentwicklung und empirischer Analyse und das Fehlen eines Erklärungsmodells, das soziale Bedingungen und subjektive Wahrnehmungen miteinander in Verbindung bringt.“ In seiner Laudation würdigte Prof. Georg Vobruba (DGS-Vorstand) die Monographie mit den Worten: „Die Arbeit von Frau Hense ist ein wichtiger Beitrag zur Reintegration über den empirischen Weg, … d.h. es wird mit der Arbeit mustergültig soziologisch beobachtet, wie die Betroffenen ihre eigene prekäre Situation interpretieren.“

Frau Dr. Hense zeigt erstens, dass die Prekaritätswahrnehmung von den individuellen Ressourcen abhängt, die für die Aufnahme und den Erhalt einer Erwerbsarbeit oder für die Substitution von Arbeitsplatzverlusten benötigt werden. Die Prekaritätswahrnehmung sinkt, wenn die verfügbaren Ressourcen die Wahrscheinlichkeit von Erwerbsverlusten verringern oder mehr Substitutionsmöglichkeiten bestehen, welche die Bedeutung potentieller Verluste reduzieren. Die Prekaritätswahrnehmung ist folglich bei Höherqualifizierten, Beamten, einem höheren Haushaltseinkommen sowie einer höheren Erwerbsbeteiligung anderer Haushaltsmitglieder niedriger. Bei Arbeitern, einer niedrigeren beruflichen Stellung, Kindern aus Arbeiterfamilien und befristet Beschäftigten ist die Prekaritätswahrnehmung hingegen höher. Zweitens werden eine steigende Arbeitslosenquote sowie Arbeits- und Sozialgesetze, die Beschäftigte weniger absichern (z.B. aktivierende Arbeitsmarktpolitik, Hartz IV) als prekaritätssteigernd erlebt. Drittens wird die Prekaritätswahrnehmung von vorherigen erwerbsbiographischen Erfahrungen beeinflusst (frühere Entlassungen, Wende-Erfahrung, längere Arbeitslosigkeitsdauer). Sozialpolitische Interventionsmöglichkeiten könnten sich folglich auf aktive Arbeitsmarktpolitik, höhere Sozialleistungen, eine Unterstützung von Haushalten, die bessere Absicherung von befristeten Beschäftigungsverhältnissen sowie eine Förderung der Bildungsteilhabe beziehen.

Weitere Informationen und Kontakt:

Dr. Andrea Hense                                                      Dr. Jennifer Villarama

andrea.hense[at]sofi.uni-goettingen.de                kommunikation[at]sofi.uni-goettingen.de

Tel. +49 (0) 551-52205-18                                        Tel. +49 (0) 551-52205-19

 

Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e. V., Friedländer Weg 31, 37085 Göttingen

www.sofi.uni-goettingen.de + www.soeb.de

 

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