Das SOFI im Jahr 2011

Veränderungen am Institut

SOFI unter neuer Leitung. Seit dem 27.05.2011 steht dem SOFI ein neues Direktorium vor. Neben Prof. Dr. Jürgen Kädtler wurden PD Dr. Nicole Mayer-Ahuja und PD Dr. Berthold Vogel von der Mitgliederversammlung als neue Direktorin bzw. neuer Direktor gewählt. Berthold Vogel ist zugleich als Leiter einer Forschergruppe am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig. Prof. Dr. Volker Wittke, seit 1996 Direktor des SOFI, wurde von der Mitgliederversammlung zum Präsidenten gewählt und wird dieses Amt künftig zusammen mit dem bisherigen Präsidenten Prof. Dr. Martin Baethge ausüben. Prof. Dr. Michael Schumann, der Ende der 1960er Jahre zu den Gründern des SOFI gehörte und dem Institut seitdem zunächst als Direktor und später als Präsident vorstand, schied damit aus dem aktiven Leitungsgeschäft aus. Er ist im Institut aber in seiner neuen Rolle als „Senior President“ weiterhin mit eigenen Projekten sowie als wichtiger Berater und Unterstützer präsent.
Die Neubesetzung des SOFI-Direktoriums steht gleichermaßen für Bewahrung und Neuorientierung. Für eine Fortschreibung bester SOFI-Traditionen spricht nicht nur, dass Volker Wittke und Michael Schumann dem SOFI in neuen Positionen verbunden bleiben, sondern auch, dass Nicole Mayer-Ahuja bereits seit 2002 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut ist und Berthold Vogel auf eine langjährige Tätigkeit im Institut zurückblicken kann. Von 1989 bis 2002 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des SOFI. Zudem stärken die Forschungsprofile der beiden Neugewählten die arbeitssoziologische Tradition des Instituts, setzen zugleich aber auch neue Akzente. In Hinblick auf das künftige Forschungsprofil des Instituts steht Jürgen Kädtler für die Erforschung von Wechselwirkungen zwischen betrieblicher Arbeit und politischer Ökonomie bzw. Produktionsmodell, die er etwa in Gestalt der Konsequenzen von zunehmender Kapitalmarktorientierung auf betriebliche Machtverhältnisse untersucht. Berthold Vogel wird sich für die stärkere Gewichtung einer zeitdiagnostisch orientierten Gesellschaftsanalyse einsetzen, die die praktische Herstellung und die rechtliche Regulation öffentlicher Güter und Dienstleistungen in den Blick nimmt. Nicole Mayer-Ahuja schließlich analysiert vor allem Wechselwirkungen zwischen Sozialmodell und betrieblicher Arbeitsgestaltung, wobei sie den Fokus von SOFI-Forschung um eine stärker historische und transnationale Perspektive erweitert. Das neu gewählte Direktorium versteht sich als Kollegialorgan und setzt sich das Ziel, gemeinsam mit allen Kolleginnen und Kollegen die Sichtbarkeit der am Institut betriebenen Forschung noch weiter zu verbessern. Unter anderem mit diesem Ziel wurde unter dem Obertitel „SOFI   Work in Progress“ das Projekt einer ersten Konferenz mit dem Thema „Spaltung der Arbeitswelt   Prekarität für alle? Konzepte und Befunde zu neuen Konturen der Arbeitsgesellschaft“ in Angriff genommen, die am 01. und 02. Februar 2012 stattfand und auf beachtlichen Zuspruch stieß.

 
Die Entwicklung im Überblick

Im Jahr 2011 wurden im SOFI insgesamt 26 Projekte bearbeitet, davon wurden sechs abgeschlossen und acht neu begonnen. Damit entsprechen die Gesamtzahl genau und die Projektfluktuation fast genau denen im Vorjahr. Diese gegenüber früheren Jahren niedrigere Zahl signalisiert in erster Linie einen vergleichsweise hohen Anteil relativ lang laufender Projekte, die in den Vorjahren akquiriert wurden, und - wie bereits im Vorjahr - einen vergleichsweise geringen Anteil ausgesprochener ‚Kurzläufer’, deren Anteil in den Jahren davor kontinuierlich zugenommen hatte. Hinzu kommt allerdings, dass im Unterschied zum Vorjahr im Berichtsjahr eine ganze Reihe länger laufender Projekte zum Abschluss kamen, die nicht ohne weiteres nahtlos durch vergleichbar ausgestattete ersetzt werden konnten.

Das schlug sich in einem gegenüber dem Vorjahr verminderten Finanzvolumen der Institutsarbeit nieder. Der Rückgang betraf dabei in erster Linie den Bereich der Ressortforschung, der als Konsequenz des Auslaufens mehrerer Projekte absolut und relativ deutlich zurückging. Dem stand allerdings ein absoluter und relativer Anstieg der Finanzierung durch Forschungsförderungseinrichtungen (konkret der DFG und der Hans-Böckler-Stiftung) gegenüber, mit der Konsequenz, dass das Verhältnis zwischen beiden Finanzierungsarten im Berichtsjahr nahezu ausgeglichen war. Insofern konnte das angestrebte Ziel einer Erhöhung des Anteils der Forschungsförderungseinrichtungen an der Institutsfinanzierung ansatzweise realisiert werden, allerdings noch nicht auf dem im Rahmen der Forschungsstrategie angestrebten Niveau. Ein höheres Niveau ist dabei nicht Selbstzweck, es steht vielmehr für die Weiterführung bzw. die Neuaufnahme von Forschungslinien in allen drei Forschungsschwerpunkten, die im Hinblick auf die Umsetzung und Weiterentwicklung des Forschungsprogramms für wichtig gehalten werden. Das betrifft u. a. Akquisen im Bereich der Sozioökonomischen Berichterstattung, der qualitativen sowie der historisch informierten Arbeitsforschung sowie der Forschung zur nachhaltigen Bereitstellung öffentlicher Güter.

Vor diesem Hintergrund waren in diesem Jahr außergewöhnlich große Anstrengungen im Bereich der Akquise neuer Projekte notwendig. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass diese Bemühungen sich als insgesamt erfolgreich erwiesen haben bzw. noch erweisen werden, auch wenn in einigen Punkten noch Unsicherheiten bestehen. Dafür ist zum einen dem Engagement und der Bereitschaft aller Institutsmitglieder zu danken, sich unabhängig von individuellen Projektinteressen für die Institutsbelange einzusetzen. Zum andern wird in Jahren wie diesen besonders deutlich, dass die Fähigkeit des Instituts, die Erarbeitung und Beantragung von Forschungsprojekten vorausschauend und im Rahmen eines längerfristigen Forschungsprogramms betreiben zu können, maßgeblich durch die institutionelle Förderung durch das Land Niedersachsen gestützt wird. Diese Förderung bildet daher eine grundlegende Voraussetzung für die Fähigkeit des Instituts, auf längere Sicht eine eigenständige Forschungsstrategie zu verfolgen, die sich an wissenschaftlichen wie an gesellschaftlichen Relevanzkriterien orientiert.

Die Personalfluktuation im Berichtsjahr war im Unterschied zum Vorjahr gering und beschränkte sich auf die Beurlaubung zweier Mitarbeiterinnen für die befristete Übernahme von Tätigkeiten an der Georg-August-Universität. Mit sechs Promovendinnen und Promovenden sowie zwei aktuell nicht am SOFI beschäftigten ist die Zahl der durch das Institut betreuten Promovendinnen und Promovenden gegenüber den Vorjahren etwas zurück gegangen. Allerdings wurden im Berichtsjahr auch zwei Promotionsverfahren mit sehr guten Ergebnissen abgeschlossen. Besonders hervorzuheben ist hier die im Rahmen eines SOFI-Projekt entstandene Dissertation von Patrick Feuerstein, die als beste sozialwissenschaftliche Dissertation des Sommersemesters 2011 mit dem Friedrich-Christoph-Dahlmann-Preis der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität ausgezeichnet wurde. Die Fortführung einer erfolgreichen Promotionsförderung in Verbindung mit Forschungsprojekten des SOFI, nicht zuletzt als Personalentwicklung in eigener Sache, ist weiterhin nachdrücklich verfolgtes Ziel des Instituts.

 

Die Entwicklung in den Forschungsschwerpunkten

Die folgenden Abschnitte sollen einen Überblick über neue Akzente bzw. im Berichtsjahr in den Forschungsschwerpunkten gesetzte Schwerpunkte geben.

Arbeit im Wandel. In 2011 haben Projekte, die sich mit den Folgen des demografischen Wandels für Erwerbsarbeit beschäftigen, im SOFI erstmals eine größere Rolle gespielt. In zwei Projekten wurden dabei die Möglichkeiten und Grenzen einer alter(n)sgerechten Arbeits-, Betriebs- und Tarifpolitik in den Blick genommen.
In dem von der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) geförderten, im Berichtsjahr abgeschlossenen Projekt „Potenziale einer alters- und alternsgerechten Betriebs- und Tarifpolitik“ stand die branchenspezifische Relevanz des „Demografieproblems“ im Mittelpunkt. Mit Hilfe sowohl quantitativer wie qualitativer Analysen wurden in drei Kernbranchen der deutschen Wirtschaft (Chemie /Pharmaindustrie, Metall /Elektroindustrie und Einzelhandel) Problemlagen der Betriebe, Problemsichten der handelnden Akteure sowie mögliche Einflussfaktoren auf die Verbreitung einer alter(n)sgerechten Arbeits- und Personalpolitik untersucht. Außerdem wurden Perspektiven der Verallgemeinerungsfähigkeit betrieblicher Konzepte durch tarifvertragliche Regelungen ausgelotet. Das laufende, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Projekt „Problemlagen und Handlungsbedingungen alter(n)sgerechter Arbeitspolitik“ geht der gleichen Thematik auf der Grundlage qualitativer Betriebsfallstudien aus der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und wiederum der Chemie- und Pharmaindustrie nach.

Die bisherigen Projektergebnisse zeigen übereinstimmend, dass sich die Mehrzahl der Betriebe in den untersuchten Branchen gegenwärtig noch nicht gravierend vom demografischen Wandel betroffen sieht, wohl aber - mit mehr oder weniger Nachdruck - für die Zukunft. Die Personalbereiche haben das Thema seit einigen Jahren zwar als neues Betätigungsfeld entdeckt, und es findet sich durchweg in den aktuellen HR-Diskursen. Bei der Gestaltung der Arbeits- und Organisationsstrukturen spielen alters- und alternsbezogene Gesichtspunkte bislang jedoch eine sehr geringe Rolle. Gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen Älterer (altersgerechte Arbeit) sind bislang in den Betrieben eher wenig verbreitet und bei Konzepten zur Förderung alternsgerechter Arbeit sieht es nur unwesentlich besser aus. Strategien, die auf eine systematische und langfristig angelegte Erhaltung und Entwicklung menschlicher Arbeitskraft abzielen, sind bislang eher von nachrangiger Bedeutung. Auf der Agenda der betrieblichen Interessenvertretungen hat die Frage einer alter(n)sgerechten Gestaltung von Arbeitsbedingungen zwar einen größeren Stellenwert, wo sich Betriebsräte in dieser Frage aktiv engagieren, sind allerdings eher die jeweiligen Linienverantwortlichen sowie die Geschäftsleitungen und weniger die Personalbereiche die wichtigsten Ansprechpartner. Im Vordergrund von betrieblichen Demografie-Initiativen stehen gegenwärtig eher Fragen der Nachwuchssicherung und der Gesundheitsförderung, und auch Vorruhestandsregelungen dürften auf absehbare Zeit eine große Rolle spielen. Tarifpolitik allein dürfte die Probleme im Zusammenhang mit Fragen von Alter und Altern in Erwerbstätigkeit allerdings nicht lösen. Der Demografiediskurs auf gesellschaftlicher, tarifpolitischer und betrieblicher Ebene bietet aber die Möglichkeit, Fragen humanerer Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen erneut auf die Agenda zu setzen.

Unter der Überschrift „Brüchige Legitimationen - neue Handlungsorientierungen“ wurde außerdem die Antragsentwicklung für ein Projekt vorangetrieben, das erstmals seit langer Zeit wieder Fragen der Arbeits- und Interessenorientierungen von Erwerbstätigen in den Mittelpunkt einer breit angelegten Untersuchung stellen soll. Das Projekt fragt nach den Legitimationsansprüchen und damit verknüpften Handlungsorientierungen von Beschäftigten in Arbeit und Betrieb angesichts der Krisenerfahrungen der letzten Jahre. Das Forschungsvorhaben wird in Kooperation mit dem ISF München durchgeführt und voraussichtlich - von der Hans Böckler-Stiftung finanziert - im Frühjahr 2012 begonnen werden können.

Wandel von Produktions- und Innovationsmodellen. Abgeschlossen wurde im Berichtsjahr ein Projekt zu Rolle und Entwicklungsperspektiven deutscher Standorte in globalen Produktions- und Innovationsnetzwerken („Kompetenz und Innovation“), bei dem die Sicht der Akteure an Inlandsstandorten auf die betreffenden Entwicklungen und daraus entwickelte Handlungsperspektiven im Fokus standen. Wie können deutsche Standorte in internationalen Wertschöpfungsketten (neu) positioniert werden? Das Projekt akzentuierte damit einen wichtigen Teilaspekt der breiteren Untersuchungsperspektive zur globalen Architektur von Wertschöpfungsketten, die das SOFI über verschiedene Projekte schon über einen längeren Zeitraum verfolgt. Hierbei geht es längst nicht mehr nur um die Neuverteilung von Produktions-, sondern auch um die von Innovationstätigkeiten. Gegenwärtig wird diese Forschungslinie im Projekt zur globalen Komponentenproduktion weiter verfolgt, in dem auf der Basis breiter In- und Auslandsempirie die Neupositionierung von deutschen Standorten der Zulieferindustrie im Automobil- und Maschinenbau gegenüber den an Bedeutung gewinnenden Weltregionen Osteuropa, Indien und namentlich China analysiert wird. Dieses Projekt ist in den amerikanisch-europäischen Forschungsverbund „Global Components Consortium“ eingebettet. Der mittlerweile als SOFI Working Paper „Globale Qualitätsproduktion“ erschienene Abschlussbericht zum Projekt „Kompetenz und Innovation“ stützt sich daher auf empirische Befunde aus beiden Projekten.

Neu begonnen wurde ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt zur „Aushandlung interorganisationaler F&E-Projekte   formale und informale Strukturierung“, das eine langjährige Forschungslinie zu Projektorganisation und Kontraktualisierung als Organisationsform und Steuerungsmittel in Arbeitsprozessen und Arbeitsbeziehungen insbesondere im Bereich wissensintensiver Dienstleistungen fortsetzt. Während in Vorgängerprojekten betriebs- und unternehmensinterne Projektkonstellationen im Fokus standen, geht es in dem aktuellen Projekt um die immer wichtiger werdende Frage, wie temporäre Projekte organisationsübergreifend realisiert werden (können).

Neben dem bereits angesprochenen Projekt zur Globalen Komponentenproduktion wurde auch das Projekt zum Verhältnis von Finanzmarktorientierung und Mitbestimmung in deutschen börsennotierten Großunternehmen der Metall- und der Chemieindustrie und des Einzelhandels weitergeführt. Dieses Projekt setzt die Forschung zum Wandel des deutschen Kapitalismusmodells fort, die durch „Finanzialisierung“ voran getrieben werden. Die Veränderungen auf den Finanzmärkten, der Corporate Governance-Regeln, der Aufstieg der institutionellen Investoren als Eigentümer von börsennotierten Unternehmen und die verbreitete Anwendung von Shareholder Value Konzepten trifft aber in Deutschland auf potentiell widerständige Strukturen, darunter nicht zuletzt die Mitbestimmung. Im Jahr 2011 sind hierzu aus Vorgängerprojekten wichtige Publikationen erschienen, darunter das Buch zur Kapitalmarktorientierung von Unternehmen (Faust et al. 2011) und ein Beitrag zur Einordnung des deutschen Falls in die international vergleichende Kapitalismusforschung (Faust 2011). Das Projekt „Finanzmarktorientierung und die Perspektiven der Mitbestimmung“ führt diese Fragestellung weiter und untersucht welche Akteurskonstellationen sich in der Mitbestimmungsarena unter den veränderten Bedingungen herausbilden. Hierzu wurden im laufenden Jahr vor allem die Strategien von institutionellen Investoren analysiert. (Wie) nehmen Sie Einfluss auf Unternehmensentscheidungen und welchen Stellenwert hat dabei der Aufsichtsrat?

Ebenfalls fortgeführt wurde das DFG-Projekt zur regenerativen Stromerzeugung als Motor systembezogener Innovationen im deutschen Elektrizitätssektor. Im Vordergrund stand die empirisch gestützte Entwicklung einer Typologie verschiedener Produktionsmodelle der Erzeugung regenerativer Energien, die in verschiedene Veröffentlichungen einmündet.

Sozialmodell: Arbeit - Bildung - Lebensweise im Umbruch. In diesem Schwerpunkt wurden die in den letzten Jahren etablierten Aktivitäten im Rahmen der Sozialberichterstattung und der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung weitergeführt. Der zweite Bericht der Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung in Deutschland mit dem Titel „Teilhabe im Umbruch“ ist zum Jahresende erschienen. Konzeptentwicklung und Beantragung für einen dritten Bericht sowie für das damit verknüpfte Projekt der Entwicklung einer virtuellen Forschungsumgebung für vernetzte Datennutzung sind in Arbeit. Im Bereich der Arbeitsmarktforschung wurden die Evaluation des Projekts „Interne ganzheitliche Unterstützung zur Integration im SGB III“ sowie ein Projekt zur Evaluation eines „ganzheitlichen“ Betreuungsansatzes für erwerbsfähige Hilfsbedürftige, jeweils in ausgewählten Arbeitsagenturen, abgeschlossen. Zwei weitere Projekte zur Evaluation der Umsetzung der Beratungskonzepte SGB II und SGB III im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit wurden beantragt und sind mittlerweile bewilligt worden. Mit diesen Projekten, die als vom SOFI koordinierte Verbundprojekte realisiert werden, wird die in den zurückliegenden Jahren aufgebaute Position des Instituts im Bereich der Forschung zu Arbeitsmarktdienstleitungen weiter gefestigt.

Auf dem Gebiet der Bildungsforschung liegt ein Schwerpunkt der SOFI-Forschung auf dem Zusammenhang von Bildungsvoraussetzungen und Berufseinstieg bzw. Arbeitsmarktintegration. In diesem Bereich wurden im Berichtsjahr mehrere Projekte begonnen. Eine Expertise zur „Ausbildungsvorbereitung an den Berufkollegs NRW“ soll Anforderungen und Schwierigkeiten klären, die staatliche Reformbestrebungen in Rechnung zu stellen haben, wenn sie auf neue Formen der Ausbildungsvorbereitung abstellen, um den bekannten Ineffizienzen des bestehenden „Übergangssystems“ beizukommen. Eine „Längsschnittstudie zur Beobachtung der nachhaltigen Integration gering qualifizierter Jugendlicher in berufliche Ausbildung“ knüpft an Projekte zur Evaluation einschlägiger Modellprojekte an und stellt über die Einzelprojekte hinaus auf den Aufbau einer Datenbasis zu längerfristigen Verläufen ab, um Aussagen über nachhaltig wirksame Einflussfaktoren zu ermöglichen und so eine belastbare Grundlage auch für politische Maßnahmen zu gewinnen. Unter Rückgriff auf Daten aus den abgeschlossenen Modellevaluationen untersuchen zudem zwei laufende Promotionsprojekte als institutsinterner Verbund unterschiedliche Aspekte der Chancenungleichheit im Übergang zwischen Schule und Erwerbssystem.

Neu begonnen wurde im Berichtsjahr außerdem ein Projekt zur „Bedeutung sozialer und bildungsbiographischer Kontextfaktoren für die Kompetenzentwicklung“, das im Rahmen eines größeren Forschungsverbundes zur Entwicklung valider Kompetenzmessmethoden als Voraussetzung verbesserter Ausbildung beitragen soll. Darüber hinaus beteiligt sich das SOFI wie in den Vorjahren maßgeblich am Bildungsbericht der Bundesregierung. Im Rahmen des Bildungsberichts 2012 zeichnet das SOFI für das Schwerpunktkapitel „Kulturelle/musisch-ästhetische Bildung“ verantwortlich. Weitergeführt wird schließlich ein Projekt zur Entwicklung und exemplarischen Erprobung von Indikatoren für kommunale Lernreports mit dem Fokus aus lebenslangem Lernen.