Call for Papers zum Werkstattgespräch 3 – 22./23. April 2010

Erwerbsteilhabe: Beschäftigungssystem und betriebliche Produktionsmodelle


Ziel des Werkstattgespräches ist es, standardisierte und nicht-standardisierte Formen von Erwerbsteilhabe im Zusammenhang mit ihrer betrieblichen Organisation zu diskutieren und ihr prekäres Potenzial zu beleuchten. Damit ist zum einen die Segmentierung externer Arbeitsmärkte (Beschäftigungssysteme) angesprochen, also die Frage, wie Erwerbsarbeit gesamtgesellschaftlich auf Betriebe verteilt wird, wer Zugang zu welchen Segmenten dieses Beschäftigungssystems hat und wie Übergänge zwischen den Segmenten aussehen. Zum anderen interessiert die betriebliche Organisation von Beschäftigung und Arbeit, also insbesondere innerbetriebliche Segmentierung, ihr Zusammenhang mit bestimmten Formen betrieblicher Produktionsmodelle und ihre Effekte auf die Lebenszusammenhänge der Beschäftigten. Eine mögliche Perspektive auf diesen Zusammenhang ist die Analyse von Arbeitszeitregelungen, da über sie Konflikte zwischen betrieblichen Flexibilisierungsinteressen und Ansprüchen der Beschäftigten ausgetragen werden. Schließlich sollen Institutionen und Regulierungen als Umfeld berücksichtigt werden, in dem Betriebe und Beschäftigte agieren.
Beiträge zum Werkstattgespräch sollten eine oder mehrere der nachstehend aufgeführten Fragestellungen aufgreifen.


Datengrundlage

  • Welche Anforderungen müssen Datensätze erfüllen, die a) die betriebliche Perspektive auf Beschäftigung erfassen können bzw. b) die Verknüpfung von Betriebsinformationen und Beschäftigteninformationen auf der betrieblichen Ebene leisten? Welche „Linked-Employer-Employee“-Datensätze sind derzeit verfügbar?
  • Wie kann die Qualität von Beschäftigungsverhältnissen bzw. von Arbeit gemessen werden?
  • Welche Datengrundlage gibt es für eine Berichterstattung zur Entwicklung von Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodellen?

Konzepte für die betriebliche Organisation von Beschäftigung

  • Wie beziehen sich Betriebe auf die Gestaltungsmöglichkeiten von Beschäftigung, die ihnen der Arbeitsmarkt und die Arbeitsmarktpolitik bieten? Wie differenzieren sich Beschäftigungsverhältnisse innerbetrieblich aus und in welchem Zusammenhang stehen diese Teilsysteme mit Segmentierungen am Arbeitsmarkt?
  • Welche Dimensionen von Flexibilität und Sicherheit können aus der Perspektive von Arbeitnehmern und Unternehmen unterschieden werden? Was sind die Entwicklungstendenzen von „Flexicurity“ im deutschen Beschäftigungssystem? Welche Flexicurity-Strategien von Betrieben lassen sich beobachten?

(Nicht-)Standardisierte Beschäftigungsverhältnisse und „gute“ bzw. „prekäre“ Arbeit

  • Wie ist der Zusammenhang von (nicht-)standardisierten Beschäftigungsverhältnissen und guter bzw. prekärer Arbeit?
  • Welche Ansätze zur Definition von guter bzw. prekärer Arbeit gibt es? Lassen sich Kriterien guter oder prekärer Arbeit auch oberhalb der Individualebene (Teamebene, Organisationsbereichsebene, Organisationsebene) benennen? Gibt es neben der betrieblichen Ebene institutionelle Voraussetzungen bzw. Ermöglichungsbedingungen für gute Arbeit?
  • Welche Formen standardisierter und nicht-standardisierter Beschäftigung lassen sich unterscheiden und wie verteilen sich diese auf unterschiedliche Branchen und Beschäftigungssegmente? Wie ist ihr Zusammenhang mit unterschiedlichen Qualifikations- und Tätigkeitsniveaus? Wie ist das prekäre Potenzial dieser Beschäftigungsverhältnisse?
  • Welcher Stellenwert kommt standardisierter und nicht-standardisierter Arbeit in betrieblichen Strategien zu? Was sind die Begründungen und Triebkräfte hierfür? Welche Problemlagen zeichnen sich für Betriebe durch nicht-standardisierte und/ oder prekäre Arbeitsformen ab?
  • Wie gehen Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und betriebliche Interessenvertretungen mit De-Standardisierungstendenzen um und welche Handlungsmöglichkeiten werden gesehen?
  • Welche Entwicklungen lassen sich allgemein und nach Branchen/Segmenten im Hinblick auf diese Punkte im Zeitverlauf feststellen? Welche gemeinsamen Trends und/oder Unterschiede gibt es im internationalen Vergleich?

Arbeitszeit und Lebenszeit

  • Welche gesellschaftlich relevanten Arbeitszeitmodelle lassen sich im Hinblick auf Dauer, Lage und Verteilung unterscheiden und wie verteilen sich diese auf unterschiedliche Branchen und Beschäftigungssektoren? Wie entwickelt sich deren Verbreitung allgemein und nach Branchen bzw. Sektoren im Zeitverlauf? Welche Rolle spielen insbesondere hochflexible Arbeitsformen und geringfügige Arbeitszeitumfänge?
  • Trägt die Unterscheidung zwischen Standard- und nicht-standardisierter Arbeitszeit? Oder gibt es unterschiedliche Standards für unterschiedliche Beschäftigtengruppen innerhalb von Betrieben, Branchen oder Beschäftigungssektoren?
  • Wie unterscheidet sich die Entwicklung von Arbeitszeitregimes in Deutschland von der in anderen Ländern?
  • Wie lässt sich der Zusammenhang zwischen Arbeitszeiten, arbeitsgebundenen Zeiten und zeitlicher Organisation der persönlichen Lebensführung (Work-Life-Balance) in Arbeitszeitberichterstattung einbeziehen?
  • Welchen Anforderungen muss eine Berichterstattung zur Entwicklung von Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodellen genügen?

Für Beiträge zu diesen Themenbereichen bitten wir um Abstracts von nicht mehr als zwei Seiten. Die vorgeschlagenen Beiträge sollen im jeweiligen Themenfeld Gegenstände, Bearbeitungsstrategien, mögliche Indikatoren und Datenreihen für einen dritten Bericht vorschlagen. Die Werkstattgespräche sollen vor allem Diskussionsmöglichkeiten bieten, für einzelne Präsentationen sind bis zu 30 Minuten vorgesehen.


Bitte senden Sie Abstracts für vorgeschlagene Beiträge bis zum 12. April 2010 an

Dr. Peter Bartelheimer (peter.bartelheimer[at]sofi.uni-goettingen.de)

oder

Dr. Sabine Fromm (sabine.fromm[at]sofi.uni-goettingen.de )


Anmeldungen zur Teilnahme an diesem Werkstattgespräch sind ab sofort möglich; bitte benutzen Sie dafür das Anmeldeformular.

 

soeb-Werkstatt 2010 – Informationen zu den Werkstattgesprächen


Seit neun Jahren koordiniert das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundvorhaben „Berichterstattung zur sozioökonomischen Entwicklung Deutschlands. Die Buchfassung des zweiten Berichts erscheint 2010 im VS-Verlag. Zur Vorbereitung der Beantragung eines dritten Verbundprojekts organisiert und koordiniert das SOFI im ersten Halbjahr 2010 eine Reihe von fünf Werkstattgesprächen, in denen „Arbeitspakete“ aus soeb 2 weiter entwickelt und neue Fragestellungen aufgenommen werden. Auf dieser Grundlage wird ein Vorschlag für thematische Struktur, Arbeitspakete und zu beteiligende Partner eines dritten Verbundprojekts erarbeitet. Die Werkstattreihe wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Werkstattgespräche finden jeweils von Donnerstag auf Freitag an der Georg-August-Universität Göttingen statt. Termine hierfür sind
Alle fünf Werkstattgespräche finden jeweils von Donnerstag auf Freitag an der Georg-August-Universität Göttingen statt. Termine hierfür sind

  • 18./19. Februar 2010 (Konsummuster: Differenzierung und Ungleichheit)
  • 25./26. März 2010 (Produktions- und Sozialmodell: Institutioneller Wandel und wirtschaftliche Entwicklungsmuster)
  • 22./23. April 2010 (Erwerbsteilhabe: Beschäftigungssystem und betriebliche Produktionsmodelle)
  • 27./28. Mai 2010 (Demografie: Alterung und Bevölkerungsrückgang)
  • 17./18. Juni 2010 (Arbeit am Bericht: Konzepte, Methoden, Daten)

Jedes Werkstattgespräch wird über einen Call for Papers (CfP) vorbereitet. Die Teilnahme an den Werkstattgesprächen ist kostenlos. Um Anmeldung wird jedoch gebeten, da die verfügbaren Plätze begrenzt sind. Reisekosten werden für Referent/inn/en übernommen Das endgültige Programm wird an angemeldete Teilnehmer/innen verschickt und über die soeb-Website (www.soeb.de) bekannt gemacht.
Kontakt
Ansprechpersonen für Planung und Durchführung der soeb-Werkstatt 2009/2010:

Dr. Peter Bartelheimer, Dr. Sabine Fromm
Soziologisches Forschungsinstitut (SOFI)
Friedländer Weg 31
D-37085 Göttingen
Tel. + 49 551 5220538 bzw. -51
Fax + 49 551 5220588
peter.bartelheimer@sofi.uni-goettingen.de
sabine.fromm@sofi.uni-goettingen.de


Ansprechperson für Anmeldung und organisatorische Fragen:

Sarah Cronjäger
Sarah.cronjaeger@sofi.uni-goettingen.de