Verwirklichungschancen im Lebensverlauf

Wie schneiden Beschäftigungssysteme und Wohlfahrtsregime im internationalen
Vergleich ab, wenn man sie danach bewertet, welche beruflichen Wahl- und Entwicklungsmöglichkeiten sie Menschen im Lebensverlauf ermöglichen? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines internationalen wissenschaftlichen Workshops, für den das SOFI am 24. und 25. September 2008 in Göttingen Gastgeber sein wird.
Unter dem Titel „Sen-sitizing Life Course Research” geht das Programm des Workshops der Frage nach, wie sich das Konzept der Verwirklichungschancen  von Amartya Sen für lebensverlaufsorientierte Forschung nutzen lässt. Das Konzept der Verwirklichungschancen, das Amartya Sen, Träger des Nobelpreises für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 1998, als Bewertungsmaßstab für Wirtschaftsordnungen und Institutionensysteme unter anderem in die UN-Entwicklungspolitik eingeführt hat, bildet heute im politischen Diskurs vieler europäischer Länder den positiven Gegenbegriff zu Armut und Ausgrenzung und soll das Ziel sozialstaatlichen Handelns angeben. In Deutschland beruft sich die Bundesregierung im gerade vorgelegten Dritten Armuts- und Reichtumsbericht auf Sen. Zugleich wird von der wissenschaftlichen Evaluation und Begleitung arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Programme immer mehr erwartet, Wirkungen staatlicher Programme „nachhaltig“ zu bewerten, d. h. statt einzelner Zustände oder Übergänge (etwa aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung) längerfristige Wirkungen auf den Lebensverlauf der Adressat/inn/en zu analyiseren.

Im ersten Panel des Workshops erörtert eine Gruppe deutscher, französischer und spanischer Wissenschaftler/innen des CAPRIGHT-Verbunds, wie die Qualität von Erwerbsverläufen und berufl ichen Biografien als Menge der in ihnen eingeschlossenen Verwirklichungsmöglichkeiten untersucht werden kann. Ute Klammer (Universität Duisburg-Essen) bilanziert Fragestellungen und Ergebnisse neuerer erwerbsverlaufsorientierter Studien im europäischen Rahmen, und Nicolas Farvaque (Offi ce de Recherches Sociales Européennes, Lille, France) geht darauf ein, wie sich die wohlfahrtstheoretischen Konzepte von Sen „verzeitlichen“, d. h. in biografischer Perspektive verwenden lassen. Im zweiten Panel des Workshops stellt der Forschungsverbund drei empirische Forschungsvorhaben aus seiner laufenden Arbeit vor: einen Vergleich der Lebensverläufe junger Erwachsener in Deutschland und Frankreich, eine Analyse der betrieblichen Unterschiede in der beruflichen Weiterbildung in Frankreich sowie einen Vergleich der Erwerbsverläufe argentinischer Männer und Frauen im Zusammenhang häuslicher Geschlechterarrangements und unterschiedlicher gesamtwirtschaftlicher Bedingungen.

Das abschließende dritte Panel ist methodischen Fragen der vergleichenden Forschung mit quantitativen und qualitativen Längsschnittdaten gewidmet. Ruud Muffels (Tilburg University) berichtet über die Operationalisierung des Konzepts der Verwirklichungschancen mit verschiedenen Panel-Datensätzen. Karl Ulrich Mayer (CIQLE, Yale University) berichtet über Unterschiede ost- und westdeutscher Lebensläufe im Spiegel biografischer Interviews.

Der Workshop findet als fachöffentliche Veranstaltung in englischer Sprache im Rahmen des halbjährlichen Treffens des EU-Forschungsverbunds CAPRIGHT („Ressources, Rights and Capabilities: In Search of Social Foundations for Europe“ – www.capright.eu) statt, der vom 24. bis 26. September 2008 vom SOFI in Göttingen ausgerichtet wird (vgl. Mitteilungen aus dem SOFI Nr. 3,
S. 15). Verantwortlich für Inhalt und Organisation sind Peter Bartelheimer (SOFI) und Nathalie Moncel, (Cereq, Marseille). Da die Teilnahmemöglichkeiten beschränkt sind, wird um Anmeldung gebeten.

>> der Flyer zum download 

 
Bei Interesse an dem Workshop wenden Sie sich bitte an:
Dr. Peter Bartelheimer,
Soziologisches Forschungsinstitut
(SOFI), Friedländer Weg 31,
D-37085 Göttingen,
Tel.: +49 551 52205-51;
Fax: +49 551 5220588;
email: peter.bartelheimer@sofi .uni-goettingen.de


Nathalie Moncel,
Céreq, 10, place de la Joliette,
BP 21 321, F-13567
Marseille cedex 02,
Tel.: +33 (0)4 91 13 28 61;
Fax: +33 (0)4 91 13 28 80;
email: moncel@cereq.fr